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Webmasterin &
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Friesenlovecoach
Petra S. von Känel
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die meistgestelltesten Fragen an mich
Update Juli 2010
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Ein Querschnitt ist nicht immer gleich Querschnitt
Man ist geneigt, jeden Querschnitt miteinander zu vergleichen.
Obwohl die Läsion z.B. C5/C6 ist und wenn man vergleicht, ist
jeder Querschnitt anders, teils total anders. Die Ärzte haben
es uns eingetrichtert => NIE einen Vergleich machen. Es kommt
auf jeden Millimeter darauf an, WIE die Verletzung innen drin
aussieht und das weiss eh kein Arzt. Bis heute ist eine
Nerven-OP im Rückenmark unmöglich. Es gibt Patienten, welche
mehrfache Brüche hatten, der Spinalkanal (dort wo die Nerven
liegen) aber nicht wirklich verletzt sind. Man spricht hier von
beleidigten Nerven. Diese kommen nach ein paar Wochen/Monaten
wieder. Es gibt auch Quetschungen, wie bei mir, wo die Nerven
zerdrückt werden. Niemand kann voraussagen, was wieder kommt und was nicht. Es kommt auf die
neuen Nervenbahnen wie auf die Vernarbung drauf an. So bleibt
einem nur die Hoffnung und die Zeit, welche für einen arbeitet.
Es gibt auch KEINEN Knopf in der Physio welcher gedrückt werden
kann, damit dies wieder kommt. Sobald aber etwas zurückkommt,
wird dies in der Physio mit eingearbeitet.
 | Was ist inkomplett?
Inkomplett bedeutet, dass man Fühlen kann und/oder Motorik
hat. Ich habe ja beides zum Glück. Ich bin sehr froh, dass ich
inkomplett bin und mich noch einigermassen "ganz"
fühlen darf. Ich bin ein inkompletter Tetra C5/C6, wobei der C6 bei mir ein künstlicher Halswirbel ist (ein Cage).
Die Schrauben sind im Wirbel C5 und im Wirbel C7 verankert.
Man
unterscheidet auch zwischen der Läsionshöhe sowie dem
vegetativen Nervensystem. Dazu wurde ich mit Strom
(Motoriktest) in der
Neurologie ausgemessen und mit Nadeln gepickt
(Sensibilitätstest). Das nennt man ASIA A oder B (bei mir
B, weil ich noch was fühle). Sensorisch bin ich ein sub
C8 und motorisch sogar ein sub Th11. Als
Tetra hat man auch Probleme mit den Händen. Die drei
Finger Mittel-, Ring-, Kleiner von der rechten Hand schlafen
etwas. Auch von der linken Hand, dort aber heute kaum mehr
spürbar. Ich
bin sehr glücklich darüber, dass ich meine Händen nutzen
kann. Für Aussenstehende sind meine Probleme damit fast
nicht sehbar.
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 | Was ist Spastik?
Spastik ist der erhöhte Muskeltonus. In meinen Körper/Beinen
zerren Nonstop Muskeln an mir (fühlt sich an wie ein
Ritterkostüm). Meine Muskeln sind ganz hart und schmerzen. Spastik verhindert, dass
ich die guten Bewegungen, welche noch irgendwo vorhanden sind,
ausführen kann. Es gibt permanent Spannungen in den
Oberschenkeln (dort am meisten) und auf einmal schiessen die Beine bei Berührung oder
Bewegung durch den Therapeuten irgendwo hin. So hab ich
leider früher schon einige Leute "getroffen". Spastik spürt man,
wenn man an den Beinen arbeitet, dass sich die Beine zahnradartig bewegen lässt und dann auf einmal klemmen
oder zurück schiessen. Vor allem am Morgen stark.
Früher konnte das schon dauern, bis ich endlich
katheterisieren konnte und dann die Hosen endlich wieder an
hatte. Die Spastik haben
die Ärzte überhaupt nicht im Griff. Abhilfe dazu geben
Medikamente (Muskelrelaxanzen), Botoxspritzen (2006 bis Ende
2007) in die Oberschenkelmuskeln oder eine Liorésalpumpe.
Neu trage ich seit April 2010 eine Liorésalpumpe (Spastikpumpe
SynchroMed II, (siehe Blog
Mai 2010), welche mir unter die Haut am Bauch links
implantiert wurde. Es ist eine
"Dose", 8.7cm x 7cm gross, mit einem ca. 89cm!
langen feinen Schlauch ins Rückenmark (Liquorraum) gelegt. Das
Medikament Liorésal (Wirkstoff Baclofen) wird direkt ins Rückenmark
geträufelt. So brauche ich viel weniger Medikamente, habe
wenige Schmerzen, und so kommt das Medikament genau dorthin wo
es hin muss. Ohne Nebenwirkungen, wie lahme Hände/Arme und
Konzentrationsschwierigkeiten. Ohne diese Massnahmen könnte ich mich
nicht mehr bewegen. Der Körper wäre steif zusammengezogen.
Die Spastik kann sich noch in einer anderen Form
zeigen. Es sind einschiessende Gewitter in den Nerven.
Genannt Spasmen. Für Sekunden zucken Blitze durch den Körper und lassen den
ganzen Körper erschüttern und beben. Sie können alle paar
Sekunden einschiessen. Vor der OP hab ich arg damit
gekämpft. Dies hatte ich vor allem
wenn ich einschlafen wollte oder in der ersten Nachthälfte.
Ich versuchte dies auszuschalten, in dem ich mit dem Beinen
versuchte noch mehr ein Päckli zu machen. Strecken ging fast
gar nicht oder wenn, dann Streckspastik rechts. Schlafen war fast unmöglich.
Deshalb schlief ich am Morgen "nach". Zum Glück
muss ich nicht all zu früh aufstehen. Jetzt bin ich sehr
froh die Liorésalpumpe zu haben. Die Spasmen sind sehr viel
weniger geworden und mein Alltag ist viel besser
"erträglich" geworden.
Botoxspritzen (2006-2007): Leider ging es 10-14 Tage bis die Spritzen
halfen
und wirken ca. 8 Wochen. Danach werden nahm die Wirkung
immer mehr ab und die Einschüsse wurden immer stärker. Ich
versuchte es möglichst lange hinauszuzögern. Alle 3 Monate
musste ich mich wieder vom Neurologen erneut mit Botox
behandeln lassen.
Bei der Liorésalpumpe ist es so, dass sie auch nach einer
gewissen Zeit wieder aufgefüllt werden muss. Wie lange die
Zeitspanne ist, müssen wir bei mir noch herausfinden.
Spätestens in einem halben Jahr muss das Medikament aus und
wieder neu aufgefüllt werden. Der Hersteller gibt nur für
diese Zeit eine Garantie. Die
Programmierung wird von ausserhalb gesteuert und zum
Auffüllen der Pumpe wird eine Schablone mit einer Zielvorrichtung
auf die Pumpe gelegt. Dann kann man mit einer Spritze das
Medikament direkt durch eine Membrane in die Pumpe spritzen,
damit sie wieder aufgefüllt ist.
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 | Fühlst Du noch was in den Beinen -
Wärme/Kälte?
Ich habe noch Gefühl bis in die Zehen, wenn auch eine
gestörte Sens (Wahrnehmung). Früher hab ich viel weniger
gespürt. In den letzten 6 Jahren hat sich mein Gespür für
Wärme und Kälte verbessert und auch für Berührungen.
Das man Kälte/Wärme nicht richtig fühlt ist sehr oft bei
Querschnittgelähmten. Deshalb ist es auch gefährlich,
damit man sich nicht verbrüht, wenn man einen heissen
Teller auf den Knien transportiert (z.Bsp.). Auch hier habe
ich früher schon schmerzhafte Erfahrungen machen müssen mit
"heissem Tee auf die Oberschenkel verschüttet". Ergebnis:
Verbrennung zweiten Grades - heilte sehr langsam. Zuerst hatten die Beine ausgeschlagen und dann bekam ich einen
heftigen Spastikanfall und erst dann hat es mir gebrannt.
Wir Querschnittgelähmte fühlen eben anders wie vor dem
Unfall/Krankheit.
Auch ist die Kälte nicht ganz unproblematisch. Mir fehlt
die Fähigkeit zu frieren. Ich spüre gar nicht, wenn ein
Körper sich abkühlt. Ich merke dann entweder stärkere
Spastik oder Blasenprobleme. Aber dann erst, wenn das
Problem schon da ist. Also vorausdenken und sich draussen
gut anziehen. Mir Mühe geben in der Nacht die Bettdecke zu
kontrollieren und mich gut einzudecken.
Und umgekehrt. Kann die Wärme/Hitze nicht so richtig
spüren und kann meine Haut sehr überhitzen (gibt dann rote
Flecken) oder die Hitze ist für den Körper zuviel und ich
bekomme Kreislaufschwierigkeiten. Man muss immer
vorausdenken, was sein könnte und so dem Körper helfen.
Die Kompletten spüren natürlich gar keinen Schmerz/Wärme/Kälte mehr.
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 | Kannst Du Dich noch bewegen?
Ja, ich kann mich ganz langsam bewegen mit ganz minimen
(Zentimeter kurzen) Bewegungen. Leider machen die Beine nicht immer das was ich
will.
Es ist schon noch so, dass ich Restspastiken habe, trotz der
Pumpe. Wir versuchen das mit den neuen Einstellungen
"hinzubekommen".
Früher hatte ich heftige Streck- und Beugespastik. Die
Knie klebten wie Magnete aneinander und die Füsse
überkreuzten sich. Immer hin, da bin ich schon um
jede kleinste Bewegung sehr froh wenn's mal geht.
Seit der Pumpe kann ich meinen ganzen Alltag viel besser
bewältigen. Früher waren die Arm und Beinbewegungen wie
gekoppelt. Heute kann ich mich meine Arme bewegen, ohne dass
die Beine gleich mitmachen wollen.
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 | Kannst Du stehen?
Nein, das geht heute nicht mehr. Ich stehe jeden Tag passiv
in meinem Freistehbarren. Das ist wichtig für den Kreislauf
und für die Darmaktivität.
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 | Was ist ein Freistehbarren?
Ein Freistehbarren
ist ein "Stehpult" mit
Sättelchen und Autogurten, welche mich mit einem Motor
in die Senkrechte zieht (siehe Foto).
Bis vor der Liorésalpumpen-OP: Ich stand zuerst da wie eine starre
Ente (Popo hinten raus). Es vergingen gute 10 Minuten,
bis der Muskeltonus (Spastik) nachliess, mein Kreislauf
dies vertrug und ich mich ganz langsam Schritt für
Schritt in die Stehposition ziehen lassen konnte. Manchmal
wurde es mir schlecht und ich musste mich dann zwischendurch mal
wieder runterlassen, Wasser trinken, gut durchatmen und dann
nochmals rauf. Die Spastik drückte mir leider oft den Atem
ab und ich konnte dann fast keinen Piep mehr von mir geben.
Mal geht es besser, mal schlechter.
2010: gar kein Vergleich mehr zu früher. Jetzt ziehe ich
mich rauf und mag auch mit Pausen gut eine Stunde stehen
oder mehr. Das braucht der Körper für die Durchblutung und
für die Darmaktivität. Zudem beruhigt es den
querschnittgelähmten Körper. Je mehr Pumpenleistung ich
habe, je schwerer fällt mir das Stehen und das Atmen. Ich
trainiere trotzdem jeden Tag, um den Trainingsfortschritt
nicht zu verlieren.
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 | Kannst Du mal wieder laufen eines Tages?
Nein, das ist nie mehr möglich. Das ist auch kein Wunsch
von mir.
Lieber gut gefahren als schlecht gelaufen ist mein
Motto.
In der Klinik 2004/2005 konnte ich für ganz wenige
Wochen noch an einem guten Tag
einige Schritte am Barren laufen, wenn auch mehr schlecht
als recht.
Konnte mich in den Lokomaten schnallen lassen, auch 2006,
der lief mit mir.
Die Spastik ist leider nach den Klinikaufenthalten
sehr stark geworden und bestimmte meinen Tagesrhythmus.
Nicht mal Druck auf die Beine geben war teils mehr möglich.
Aber trotzdem. Bewegung im Allgemeinen: Die Aerzte meinten nach der Herbst 2006-ReREHA, dass Sie
sich schon sehr wunderten, was ich mit meiner schweren
Verletzung noch alles kann.
Das war noch VOR meiner
missglückten Rücken-OP. Danach ist die Spastik noch
stärker geworden und ich konnte froh sein, dass ich noch
meine Uebungen am Freistehbarren machen konnte.
Nach der Liorésal-OP vom April 2010: Da der Muskeltonus mit
der Pumpe sehr stark reduziert wurde, werden die Muskeln
nicht angesprochen. Ich bin eher dankbar, dass meine Beine
lahm herunterhängen und meine Spastik mich meistens in Ruhe
lässt.
Laufen können ist KEIN WUNSCH VON MIR. Die Liorésalpumpe
hat mir soviel neue Lebensqualität gegeben, mir sind ganz
andere Wünsche erfüllt worden, die den Alltag betreffen.
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 | Kannst Du Autofahren?
Ja, ich konnte Autofahren (bis vor Rücken-OP im Mai
2008). Ich hatte mir ein neues
Fahrzeug kaufen müssen, mein Subaru war mit 12 Jahren zu alt
für diesen teuren Umbau. Ich hatte mich wieder für einen Subaru
Legacy entschieden. Dieser wurde von einer Spezialfirma, bei
mir von
Rotz aus Dussnang, auf meine Bedürfnisse umgebaut.
Es gibt verschiedene Fahrsysteme. Ich habe mich für den
stehenden Kombihebel, einem
Carospeed, entschieden. Mit diesem Hebel gebe ich
Gas oder ich kann bremsen. Es ist ein Blinker dran, eine
Feststellbremse und das Fernlicht. Weiteres ist in so
einem Umbau drin, ein Fussraster, einen
Antispastikgurt, welcher meine Beine festhält, damit bei
einem Spastikanfall die Beine sich nicht ins Lenkrad
verklemmen, aufklappbare Pedalen für Gas und Bremse (wenn
ein Fussgänger mein Auto fahren muss), einen
Rollstuhleinzug, eine Teleskoptüre, damit ich den Rollstuhl
überhaupt verladen kann, hinten noch einen Teleskopkran um
schwere Gegenstände wie Swisstrac und Handbike verladen zu
können.
Vom Strassenverkehrsamt habe ich die Auflage
erhalten, nur mit solch einem umgebauten Fahrzeug unterwegs
zu sein, alle anderen Kategorien wurden gestrichen. Alles
andere würde ja nicht gehen.
2010: Nach Liorésalpumpeneinbau: Die Spastik hat sich sehr
beruhigt. Mein Problem ist das Drehen müssen mit dem
Rücken. Seit der misslungenen Rücken-OP ist das bis jetzt nicht mehr
möglich. Die Rückenschmerzen sind mit der Pumpe schon viel
weniger geworden. Das Auto ist abgemeldet. Aber wer weiss
... ins Auto einsteigen bin ich schon wieder am Üben ;-))).
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 | Gehst Du zur Arbeit?
Von Juni 2005 bis Mai 2008: Ja, ich fuhr jeden Tag zur Arbeit ins Büro. Ich durfte zu
meinem alten Arbeitgeber AXA-Winterthur in die Informatik zurück. Teilzeit 20%.
Leider glaubte ich, dass ich die Arbeitsfähigkeit steigern
könnte, was leider nicht gelungen ist. Ich bin froh, dass
ich trotzdem weiterhin arbeiten und ich meinen Beitrag geben
darf.
Seit meiner missglückten Rücken-OP vom Mai 2008 arbeite ich von zu
hause aus.
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 | Was ist ein Transfer?
Ein Transfer bedeutet, dass ich vom Rollstuhl mich ins Bett
"transferiere" (transportiere). Oder aufs WC,
Sofa oder ins Auto etc. Ich kann dies meist nicht ohne Rutschbrett
machen, bis auf den Sofa-Transfer zurück in den Rollstuhl.
So sollte ein guter Transfer aussehen:
Ich stelle bei meinem Rollstuhl die Füsse direkt auf die
Fussrasten. Dann stecke ich mir das Rutschbrett zwischen
Popo und Rollstuhl (der Rollstuhl ist schräg im
45-Gradwinkel aufgestellt). Dann versuche ich
Gewicht mit meinen Armen aufzunehmen und rutsche dann
vorsichtig konzentriert rüber.
Früher konnte ich die Fussrasten aufstellen, die Beine auf
den Boden stellen, die Knie als Drehpunkt nutzen. Oberkörper nach
vorne (Popo als Schwunghebel benutzen). Eine kurze Sekunde halten
und
schwupp in der Luft drehen bin ich am gewünschten Ort.
Seit meiner Liorésalpumpen-OP gehen die Transfers viel
besser und sicherer (die Spastik klemmt nicht mehr die Beine
nach hinten). Der Körper ist aber lahm und ich muss mit den
Armen viel mehr Kraft aufnehmen, damit ich nicht vom Brett
runterrutsche sondern da lande, wo ich hin will.
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 | Bekommst Du Medikamente?
Ja, viel zu viele.
Seit der Liorésalpumpe muss ich weniger Medikamente oral
einnehmen. Das entlastet meinen Magen und habe weniger
Nebenwirkungen. Ein weiterer "Entzug" ist geplant.
Das muss ganz langsam von sich gehen.
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 | Stimmt das, dass Blase und Darm auch
nicht mehr richtig funktionieren?
Ja, leider ist das so, dass Blase und Darm meistens involviert
sind. Früher sind die Leute daran gestorben. Bei dem einen
gibt es mehr Probleme, beim anderen weniger. Das ist
total verschieden. Ich spüre es wenigstens, beides.
Blase:
Urinieren kann ich nicht von alleine, deshalb muss ich
katheterisieren (ISK = Intermittierter
Selbstkatheterismus,
Katheter sich selber in die Blase schieben). Katheterisieren
(Beschrieb wie) ist mehr lästig als schmerzhaft. Es
ist ein dummes Gefühl. Dies mache ich halb-liegend auf dem
Bett mit Rücken gestützt. Alle Utensilien liegen parat. Spiegel davor.
Grosszügig reinigen (Wasser genügt) und desinfizieren (Octenisept
getränktes sterile Kompresse auf den Harnausgang
drücken/legen). Urinbeutel bereit legen und Katheter
anstecken (ich benutze den Astratech Lofric Primo 15cm am
liebsten). Mit dem Katheter
treffen und abwarten bis die Blase entleert ist. Meine Blase
fasst gut 500ml (teils mehr, ist aber nicht gut). Urinbeutel
wieder leeren und auswaschen. Kann mehrmals wiederverwendet
werden. Katheter nicht - bitte entsorgen!
Mehr fachliche Info über ISK bei Wikipedia
oder Astratech. Tipps
und Tricks.
Darm:
Der Darm meldet sich alle zwei Tage (oder auch nicht),
oder zu verschiedenen Zeiten. In der Nacht ist es am
Unangenehmsten.
Es gibt verschiedene Methoden der Darmentleerung:
Mit einem Zäpfchen
10 Minuten warten und dann entleert sich die Ampulle (Darmendstück)
von selber (wenn man Glück hat).
Von Hand ausräumen (nach Zäpfchen)
Oder man muss sich einen Vinyl-Handschuh (die dünnen Ärztehandschuhe) anziehen, Vaseline dran, und dann
nachgreifen und den Darm ausräumen bis die Ampulle leer
ist. Darmmassagen davor können gut tun (siehe unten). Das
ist nicht immer ganz einfach, es kann vorkommen, dass
später Nachzügler nachrutschen. Auch genug Geduld und Zeit
einrechnen.
Wer pressiert hat später den Aerger.
Peristeen-System und Darmmassagen
Heute habe ich Hilfe mit dem Peristeen-System
von Coloplast.
Das ist ein Rektalkatheter (Katheter mit Ballon) und ein
System mit warmen Wasser. Man spült sich das warme Wasser
in den Darm und löst so die Fäkalien raus. Beste
Erfahrungen hab ich gemacht, wenn ich entweder zuerst kurz
ausräume (harte Bollen) oder direkt mit dem
Peristeen-System anfange. Und so den ersten Teil
herauslöse. Dann braucht es viel Geduld. Ich mache mir
danach Darmmassagen. Das geht so. Ich streiche mit
der Hand auf Bauchnabelhöhe von LINKS nach RECHTS. Immer
wieder und dann auf der linken Seite runter (so liegt der
Darm). Dann wackle ich wie ein Stehaufmännchen immer hin
und her. Abwechslungsweise wieder Darmmassagen und
wenn ich das Gefühl habe, es "plagt" mich, dann
lehne ich mich ganz nach vorne und liege sozusagen mit dem
Oberkörper auf meinen Oberschenkeln (das gibt Druck auf den
Darm). Damit ich nicht vom WC falle, habe ich für die
Füsse ein Böckchen. So sind die Knie etwas höher als der
WC-Rand und gehen so locker auseinander und ich komme ran.
Gibt mir aber auch Sicherheit. Es braucht wirklich viel
Geduld und Zeit. Aber es lohnt sich. Es kommt meistens
nochmals soviel raus oder mehr wie in der ersten Phase. Der
Darm braucht eben seine Zeit, bis das Wasser/Darm die "Bollen"
nach unten befördert hat. Ich rechne jeweils gut eine
Stunde dafür ein. Ein kleiner Trick noch, ich habe immer
eine schmale Taschenlampe griffbereit, so kann ich
kontrollieren, was "gegangen" ist auf dem
WC. Wer es nicht alleine kann/traut, braucht Hilfe
von einer vertrauten Person.
Die Firma Coloplast informiert über "Inkontinenz
verstehen". Weitere Infos.
Das Darmentleeren hasse ich am allermeisten an meiner
Querschnittlähmung. Das ist wohl das Erste, welches wir uns
alle zurück wünschen BEVOR wir laufen können!
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