mein neues Leben
im Rollstuhl

     
   

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Petra S. von Känel


 

Reisebericht und Fotos Sardinien 2008

Ferien 14. - 21. September 2008  


 
 

 
Wunderschönes Sardinien
Unsere langersehnten Ferien nach Sardinien waren endlich da. Wir hatten ein wunderschönes 5-Sterne-Luxus-Hotel, das Sofitel Thalassa Timi Ama gebucht.

Zur Ferienvorbereitung haben wir uns durchs Internet gesurft und nach einem rollstuhlgängigen Hotel gesucht. Das Land war noch nicht ausgesucht. Ich bin schon ziemlich früh bei unserem Hotel "hängen geblieben". Alle anderen Vorschläge fielen immer wieder durch. Wir haben uns mit Reisebenotungen anderer Gäste durchlesen vorbereitet und 150 Fotos vom "Timi Ama" im Internet gesammelt. Diese hab ich mir so viele Male angeschaut, dass ich schon vor unserer Abreise das Gefühl hatte, dass ich bereits dort gewesen sei ;-))). So hatten wir ein sehr gutes Gefühl wieder das richtige Hotel gefunden zu haben.
 
In der Schweiz war eine eisige Biese eingezogen. Um so mehr freuten wir uns auf das warme Sardinien und auf das wunderschöne Hotel. 
 
Oft wurden wir gefragt, wie gross ist den die Insel Sardinien? 
Ich habe aus dem Internet folgenden Grössenvergleich gefunden:
 
Schweiz:   41'285 km2  /  7.59 Mio. Einwohner
Sizilien:     25'703 km2  /  5.00 Mio. Einwohner
Sardinien:  24'090 km2  /  1.65 Mio. Einwohner
 
 
Sonntag, 14. September 2008 - Reisetag
Wir trafen uns am Nachmittag mit meinen Eltern am Flughafen Zürich (Kloten) und checkten unser vieles Gepäck bei unserer Fluggesellschaft, der Edelweiss-Air, ein. 
Zielort: Cagliari, die Hauptstadt von Sardinien.
Unglaublich, wie viel Gepäck nur von mir war. Duschrollstuhl, Pflegematerial für mich, zwei ganze Taschen voll, und das war nur eine Wochenration. Zum Glück ist alles Freigepäck. Dann noch das normale Gepäck, was Mann/Frau noch so alles braucht - für jedes Wetter vorbereitet sein. Der Wetterbericht war nicht sonderlich gut im Vorfeld, doch es war zum Glück ganz anders gekommen!
Gegen kurz nach 17 Uhr wurden wir speziell empfangen und zu unserem Flugzeug begleitet. Der Securitycheck ist auch gesondert und rasch waren wir bei unserem Gate. Behinderte dürfen als erstes ins Flugzeug. Mit dem Rollstuhl bis ans Flugzeug rollen und dann auf einen Charly (ganz schmaler Wagen, welcher im Flugzeuggang Platz hat) umsteigen. Von zwei Männer vom Hilfspersonal wird man auf seinen Platz gehievt. Dann kamen alle anderen Passagiere zugestiegen. Nach einer kleinen Verspätung ging's los und in nur 1 Std. 20 Min. waren wir in Cagliari gelandet. Alle Passagiere aussteigen und wir dann am Schluss. Da ich keine Treppe mehr runterkomme wird ein extra Frachtwagen gechartert, welcher oben bei der Flugzeugtüre andockt. Charly kommt, Männer hieven mich zurück auf den Spezialsitz und das ganze Prozedere rückwärts. Alles geht ganz schnell, alle sind informiert und schon waren wir wieder mit allem fertig und abreise bereit.
Wir hatten einen kleinen Mietwagen bestellt, bekamen zum selben Preis einen grossen Hyundai Trajet ("Behindertenrabatt"). Unsere Fahrt dauerte noch einmal etwas über eine Stunde. Die Reise ging nach Süd-Südost-Sardinien in die Nähe von Villasimius wo wir auch im Dunkeln auch Dank unseres Navis gut in unserem Hotel ankamen. Wir bezogen ein wunderschönes grosses Zimmer, mit bodenebenen Balkon und  rollstuhlfreundlichem Badezimmer.
 
 
Montag, 15. September 2008 - Relaxtag und Baden im Meer
Nach dem leckeren Frühstück ging es auf Erkundungstour durch das wunderschöne Hotelareal.
 

Am Morgen war es noch recht windig am Strand. Am Nachmittag waren wir das erstemal zusammen im Meer baden. Es war ein wunderbares Gefühl sich von den Wellen durchbewegen zu lassen.
  
Wir staunten über das riesige Frühstücksbuffet. Mind. 200 verschiedene Sachen gab es zur Auswahl. Nachdem wir uns gestärkt hatten, haben wir unser Hotel auskundschaftet. Wow, so schön. Die Inneneinrichtung, aussen der prachtvolle grosse Pool, der riesengrosse Park (11 Hektar) mit vielen Dattelpalmen und Blumen. Sogar einen Schwarm freilebender (lauten) grünen Papageien haben wir entdeckt! 
Am Nachmittag war Strand/baden im Meer angesagt. Um an den Strand zu gelangen kann man entweder einen Spaziergang von ca. 500m machen oder das Elektroshuttle nehmen. Der Spaziergang geht auch gut mit dem Rollstuhl. Die Sandpiste war hart genug, damit der Rollstuhl nicht einsank. Der Weg ist blumenberankt und führt am Naturschutzgebiet dem See Stagno di Notteri vorbei. Das ganze Hotelareal war extra abgesperrt und bewacht, nur für Gäste des Timi Ama. Auch am Strand. Damit man diese erkennt, werden alle Badegäste im Hotel mit blauen grossen Badetücher ausgestattet.
Wir wagten uns das erste Mal ins Meer. Da wir (noch) über keinen Strandroller verfügen, war es schon schwierig mich ins Wasser zu bringen, zumal der normale Rollstuhl sofort im weichen weissen Sand versank. Der erste Versuch war mit einer alten Plane. Unter tatkräftiger Unterstützung der ganzen Nachbarschaft am Strand haben wir es geschafft, mich auch wieder nach dem Schwimmen (besser gesagt, ich lag Frank in den Armen, da ich bei Wellengang nicht schwimmen kann) aus dem Wasser zu bringen und an den Strand zu unseren Liegen zu schleifen.
Das Abendbuffet war nicht weniger spektakulär. Von verschiedenen Vorspeisen über Salaten, diverse Meeresfrüchte bis zur Pizza und Dessertbuffet, war für jeden etwas dabei.
 
 
Dienstag, 16. September 2008 - Relaxtag und Baden im Pool
Das Foto vom tollen Pool hat mich schon bei der Hotelauswahl im Internet fasziniert.
Dank meinem Duschrollstuhl konnte ich ganz leicht ins und aus dem Wasser.
 
Am Morgen haben wir mit unserem Mietwagen die Gegend erkundet. Unser Hotel befindet sich ganz am Zipfel unten Südsüdost von Sardinien, unterhalb von Villasimius. Rasch mussten wir feststellen, dass noch lange nicht alle Strassen in Sardinien geteert sind. Die ursprüngliche kaum bebaute Gegend erstaunte und erfreute uns. Frank sein grosses Hobby ist das Fotografieren (1300 Fotos waren es am Schluss der Ferien und noch einige Videos). Da die Gegend sehr wild ist, konnte ich jeweils schlecht aussteigen und so hab ich die Gegend aus dem Auto kennengelernt. Als wir zurückkamen, haben wir einen Spaziergang/-fahrt rund ums Hotel unternommen, natürlich immer mit Film- und Fotokameras ausgerüstet.
Danach ging es endlich in den wunderschönen Pool - herrlich! Es war sehr erfrischend kalt. Da ich aber die Kälte nicht so spüren kann, hat es mir nichts ausgemacht. Für Frank kostete es schon eine grössere Überwindung. Da der Pool einen Rand hatte mit flachem Einstieg, konnte ich mit dem Duschrollstuhl in den Pool fahren und von dort aus einen Transfer ins Wasser machen. Nach dem Schwimmen musste ich aber sofort ins Hotelzimmer unter die heisse Dusche, damit mein Körper wieder warm wurde.
Vor dem Abendessen haben wir noch einen schönen Spaziergang an den Strand unternommen. 
 
 
Mittwoch, 17. September 2008 - Ausflug an die Costa Rei

 


links oben:
schöne Aussicht auf die Costa Rei
 
links:
Weiden knochentrocken, einige Pferde gesehen, doch keine Friesen

rechts oben:
Petra beim Bogenschiessen und hat sogar die Scheibe getroffen
 
mit dem Shuttle zum Strand  
  
...und die Ruhe nach dem Baden geniessen
 
Wir wollten noch mehr von der Gegend kennenlernen und haben einen grösseren Ausflug zur Costa Rei unternommen. Auch hier kamen wir immer wieder auf Sandpisten mit vielen Steinen. Es war richtig abenteuerlich. Auch ein grosser Test für meinen Rücken. Wie viel kann er ertragen? Ich hatte mich am Henkel des Autodachs festgehalten und versuchte Schläge in den Rücken zu vermeiden. Bei diesen wilden Wegen und Geschüttel im rollendem Tempo trotzdem schwer möglich. Umso mehr hat es mich gefreut, dass auch nach Stunden mein müder Rücken immer noch einigermassen mitgemacht hat.
Am Abend haben wir uns am Strand und mit einem Bad im warmen Meer entspannt. Frank hat mich dieses Mal auf den Armen ins Wasser getragen und wieder raus. Danach haben wir uns noch im Bogenschiessen geübt. Das hat richtig Spass gemacht.
 
 
Donnerstag, 18. September 2008 - Relaxtag Hotelanlage
Sportliche Betätigung am Morgen: 
Tischtennis spielen
 
  An Nachmittag ging's wieder an den Strand
 
Den Donnerstag wollten wir etwas ruhiger angehen. Ich brauchte dringend eine Pause. Ich spürte meinen Rücken, doch zum Glück keine grossen Schmerzen.
Wir haben uns mit Tischtennis, kleinen Spaziergängen und Strandbesuch verweilt. Das Meerwasser war herrlich warm verglichen zum Hotelpool. Wir haben eine neue Methode gesucht um mich ins Wasser zu bringen. Dieses Mal hatte mich Frank auf seinen Rücken genommen. Es brauchte viel Geduld, bis die Spastik nach liess und ich meine Beine um Franks Körper legen konnte. Nur mich wieder aus dem Wasser heraus bringen war ein Ding der Unmöglichkeit. Immer wieder rutschte ich ab, mir fehlte einfach die Kraft und die Geschicklichkeit. Ein aufmerksamer Lifeguard kam uns zu Hilfe und die Männer nahmen mich in den "Stuhlsitz" und brachten mich zurück auf meinen Rollstuhl.
 
 
Freitag, 19. September 2008 - Baden im Pool

wie jeden Morgen - 
Besuch am Strand
  
 
 

Und am Nachmittag:
wieder schwimmen im kühlen Pool
Petra mit Streck- und Adduktorenspastik

links:
warm einpacken nach dem Baden und husch ins Hotelzimmer unter die heisse Dusche
 

Wir haben wieder einen kurzen Ausflug mit dem Auto gemacht. Dieses Mal an die Südküste Richtung Cagliari. Wir waren aber nur kurz unterwegs. Das Wetter hatte zugezogen und für gute Fotoaufnahmen nicht sonderlich tauglich.
Am Nachmittag war Frank tapfer und kam wieder mit mir im kühlen Pool schwimmen. Auf dem Foto sieht man mich in der "Meerjungenfrauenstellung". Obwohl ich die Kälte des Poolwassers nicht so richtig wahr nahm, mein Körper tat es sofort. Schwimmen war sehr schwer mit so gestreckten Beinen. Zum Glück hatte ich meine Schwimmhandschuhe mitgenommen. Die gaben mir doch noch etwas Auftrieb. Danach ging es sofort wieder ins Hotelzimmer. Wieder heiss duschen und warm anziehen.
 
 
Samstag, 20. September - windiges Sardinien
Besuch am windigen Strand am Morgen
 
   am Nachmittag war es auch nicht besser
 
Schönes Wetter am Samstag, aber sehr windig. Am Strand hing die rote Fahne.
Der Wind peitschte die Wellen richtig auf. Das war uns zu gefährlich für ins Wasser. Der täglich Spaziergang/-fahrt durch die Hotelanlage war trotzdem sehr  schön.
 
 
Sonntag, 21. September - Heimreise und Besuch von Nora

Nora - wir sind auf geschichtsträchtigen Römerstrassen unterwegs. Was uns besonders erstaunt hat, fast nichts abgetrennt und jedermann durfte über die Ausgrabungsstätte latschen.
  
Ausgrabungsstätte Nora - hier ein Theater
 
  am Flughafen von Cagliari, 
  warten auf unser Flugzeug
 

Abreisetag. Wir hatten die Idee unser Gepäck am Flughafen von Cagliari einzuchecken um dann die Altstadt zu besuchen. Leider hiess es, sie seien ein kleiner Flughafen und es wäre frühestens zwei Stunden vor Abflug möglich mit dem Gepäck einchecken. So haben wir uns kurzerhand umorientiert und sind nach Pula gefahren zur Ausgrabungsstätte Nora. Die Südküste hat uns überhaupt nicht gefallen. Aber Nora war ganz nett. Nora ist vermutlich die älteste Stadt der Antike. 1889 wurde sie von einer Springflut freigesetzt. Die meisten Relikte stammen aus der Zeit der Römer. Es war schon ein spezielles Gefühl mit dem Rollstuhl auf den alten rumpeligen aber geschichtsträchtigen römischen Strassen zu fahren (oder soll ich hüpfen schreiben?)
Dann ging's zurück zum Flughafen, vorbei an den Seen mit den unzähligen Flamingos (die es auch auf dem Stagno di Notteri geben sollte, aber nicht da waren). Nachdem wir eine Kuoni-MA getroffen haben (Edelweiss-Air wird von Kuoni betreut), ging wieder alles ganz schnell. Das Sicherheitspersonal hat uns bereits erwartet und wir wurden wieder in einem separaten Warteraum geführt.
Und eh wir uns versahen, waren wir wieder in Zürich gelandet.
Frank meinte eben, ich sollte noch schreiben, bei 29 Grad in Cagliari abgeflogen und bei 3 Grad in Zürich gelandet. Kein Wunder haben wir sofort an unsere nächsten Ferien gedacht!

Es waren wunderbare Ferien. Und wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter. Die Prognosen waren alles andere als rosig. Wir hatten bis zu 29 Grad. Da aber immer ein laues Lüftlein wehte, hat man das gar nicht gespürt.
Sardinien ist eine Reise wert. Der Süden ist noch nicht überall erschlossen, das hat aber auch seinen Reiz!

Uns hat die Region rund um Villasimius, besonders aber unser Hotel mit dem hoteleigenen rollstuhlgängigen Strand sehr gefallen und werden bald wieder nach Sardinien reisen.
 
 
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