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Petra S. von  Känel


 

  
 
Autorin/Copyright Petra S. von Känel (+ 2004 überarbeitet)
- hier geht es direkt zur Stutstamm 12 Geschichte  
- Zuchtreglement
Button FPS
- KFPS-Stammbuch
- Original KFPS - die Geschichte vom Friesenpferd
 

Das Friesenpferd -
Schwarze Perlen aus Friesland
- die königlichen Rappen aus Holland

Überall, wo Friesenpferde öffentlich auftreten, gehören sie zu den Publikumslieblingen. Die holländischen barocken Rappen verzaubern durch ihr wallendes Langhaar, bestechen durch ihre pechschwarze Farbe und faszinieren die Menschen mit ihrem sanften und menschenbezogenen Charakter. Wer sich einmal näher mit dieser Pferderasse befasst hat, unterliegt dem Charme und Ausstrahlung dieser königlichen Extravaganz.

Vom Streitross zum Freizeitkameraden

Das Friesenpferd ist eine der ältesten Pferderassen Europas.

Es entstand an den Ufern der Nordseeküste, wo der germanische Volksstamm der Friesen, genannt Frisii, eine grossrahmige Pferderasse von ca. 150cm Stockmass züchtete, die sich nach Knochenfunden wesentlich von Kaltblütern unterschied.

Leo út de Polder, 1996

Die Geschichte des Urfriesenpferdes (equus robustus) lässt sich weit bis ins erste Jahrhundert zurückverfolgen. Das Friesenpferd wurde schon in Schriften von Tacitus und Julius Cäsar erwähnt und von den Römern nach England exportiert. Dort prägte der Friese in frühester Zeit andere bekannte Pferderassen wie das Fellpony, das Dalespony, das Shire und das Clydesdale. Der Friese beeinflusste aber auch andere Pferderassen wie das aus Norwegen stammende Dölepferd, das aus Frankreich kommende Mérens, Pferderassen in Amerika, u.a. das Morgan Horse und die russische Traberrasse Orlow, die den damaligen Trabrennsport boomen liess.

Die jüngste Blutauffrischung durch (einen) Friesen geschah 1974 in Kladruby, dem bekannten tschechischem Hauptgestüt, wo die berühmten Karossiers die Kladruber gezüchtet werden. Der im alten barocken Typ stehende Friesenstammbuchhengst Romke 234 (geb. 1966) und der mit seiner Postur und Ramskopf bestens zu den Altkladrubern passte, rettete die inzuchtgefährdete Rappherde mit seinem Fremdblut. Romke 234 deckte bis 1985 in Kladruby, kehrte dann zurück in seine friesische Heimat, deckte bis 1990 und verstarb im Januar 1991 im stattlichen Alter von 25 Jahren.

Auch im Mittelalter bekam das Friesenpferd Anerkennung als gutes Streitross.

Ein wichtiger Abschnitt in der Entstehungsgeschichte des Friesen ist das Barockzeitalter. Es wurde auf bekannten Hofgestüten für fürstliche Prunkkarossen und Paradezwecken gezüchtet. Schwarz wurde damals schon bevorzugt, dies verlieh den Pferden eine gewisse Vornehmheit.

 
(für Barockmusik Bild anklicken)

Das iberische Pferd hatte Einfluss auf viele Barockpferderassen und somit auch auf die friesische Rasse. Später tobte der 80-jährige Krieg, 1568 bis 1648. Durch die mitgebrachten iberischen Hengste der spanischen Besatzung in den Niederlanden, prägten die spanischen Hengste zum zweiten Mal die friesische Rasse. Dem "Andalusier" verdankt der Friese sein barockes Aussehen und seine erhabenen Bewegungen, die bis heute noch unverkennbar sind. In den Adern des Friesen fliesst daher dasselbe altspanische Blut wie bei den Lipizzanern, den Frederiksborgern, den Kladrubern und den ausgestorbenen Neapolitanern. Fälschlicherweise wird der Friese von Laien oftmals als leichtes Kaltblutpferd bezeichnet. Dies ärgert die Pferde sicherlich wenig.
Der Friese ist ein reines W
armblutpferd, ein recht edles sogar. Heute spricht man gerne vom Barockpferd. Zu den Barockpferden zählen Pferde wie der Lusitano, PRE (Pura Raza Espagnola, der fälschlicherweise oftmals als Andalusier bezeichnet wird), Lipizzaner, Frederiksborger, Kladruber, Knabstrupper und natürlich unsere Schwarzen Perlen.

Sjees_Tweespan_Bouma.jpg (33713 Byte) Tweespan Friesras, Herrn Bouma

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden Barockpferde als Hohe Schule-Pferde sehr geschätzt und von bekannten Rittmeistern als besonders gelehrig gelobt. Im 18. Jahrhundert hielten in Holland die reichen Bauern ihre Friesen für die Sonntagskutsche, für schnelle Transporte sowie Marktbesuche und volkstümliche Trabrennen. Bei den Trabrennen, zuerst unter dem "Mann", später vor der Sjees, handelte es sich um 300-400m "heats". Der Preis war oft eine silberne Peitsche. Dies brachte den Friesen den Namen "Harddraver" ein und machte sie berühmt. Später als die Distanzen verlängert wurden, wurde der Friese dann durch die schnelleren ausdauerden Vollblütern verdrängt. Sowie sich die Mode der Kleider änderte, änderte sich auch der Geschmack der Pferdezüchter. Die Armee verlange nach Reitpferden mit schnellen Galoppaden und flachen Trabgängen, die Landwirtschaft nach schweren starken Kaltblütern für die schweren Landwirtschaftsmaschinen. Und so ging die Nachfrage für Friesenpferde immer mehr und mehr zurück. 

Nicolaas_Harddravereij.jpg (25110 Byte) Harddraverij mit Nikolaas 310

Stammbuchgründung

1879 wurde die "Koninklijke Vereniging Het Friesch Paarden-Stamboek" gegründet, kurz F.P.S. genannt, die königliche Vereinigung des Friesen-Pferdestammbuches (die Schirmherrin des F.P.S. ist heute noch Königin Beatrix). 

FPS-Logo

Doch die Friesenpopulation nahm nach kurzem Aufschwung immer mehr ab.

Nach der Mitte es 18. Jahrhunderts wurden Kreuzungen von Pferden im Allgemeinen empfohlen. Man führte zwei Stammbücher, eines für die friesische Rasse und eines für Kreuzungsprodukte; Friese mit Oldenburgern, die dem Geschmack ausländischer Käufer besser entsprach. 1913 konnte die Vereinigung "Het Friesche Paard", das friesische Pferd, eine kleine Gruppe von Friesenanhänger, das Aussterben dieser wunderbaren Rappen verhindern. Schon zweimal, 1896 und 1913, wurde die Friesen vor dem Aussterben gerettet. Es gelang, durch den Kauf bester friesischer Hengstfohlen, diese Rasse zu erhalten, ja sogar zu verbessern! Von 1914 bis 1943 wurde das zweite Stammbuch noch geführt mit Pferden der nichtfriesischen Rasse. Seit 1954 werden nur noch in "einem" Stammbuch rassenreine friesische Pferde erfasst.

Nach dem 2. Weltkrieg erholte sich der Bestand der Friesenpferde etwas, sank aber erneut bis 1967 rapide durch die landwirtschaftliche Motorisierung ab. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Friesenpferd in seiner Heimat als Fahr- und Freizeitpferd neu entdeckt. 1974 - 1978 entstanden neue friesische Zuchtvereine.

Siegeszug rund um die Welt

1980 in Offenburg an der EuroCheval und 1981 auf der Equitana, der grössten Pferdemesse Deutschlands, wurden die Friesenpferde das erstemal in Deutschland gezeigt. Von da an startete das Friesenpferd einen bis heute anhaltenden Siegeszug rund um die Welt. Der Friese wurde zum lebendigen Kulturgut unserer modernen Zeit. Heute erfreut sich das Friesenpferd auch in der Schweiz immer grösserer Beliebtheit. Die schweizerische Friesen-Population zählt heute über 350 Pferde.

Leo út de Polder hier 8 Jahre alt
Ein ausdruckvolles Hengstgesicht

Rassemerkmale

Der Friese ist nicht nur schön, sondern auch klug. Ein Charmeur mit exotischem Aussehen, dem man kaum widerstehen kann. Dank seines freundlichen menschenbezogenen Charakters mit seinem lebhaften Temperament, grosser Nervenstärke und Zutraulichkeit mit faszinierender Ehrlichkeit, ist der Friese ein geeignetes Familien- und Freizeitpferd für viele Sparten der Reiterei und des Fahrsports.
In Sachen Haltung ist der Friese ein einfaches und genügsames Pferd. Er eignet sich sehr gut zur Offenstallhaltung. Kälte verträgt er spielend, nur die knallige Sommerhitze macht ihm manchmal wegen seinem dichten schwarzen Fell zu schaffen. Da Friesenpferde sehr langen und dichten Kötenbehang haben, ist es selbstverständlich, dass man auf trockene und saubere Einstreu für seinen Schlafplatz und auf trockene Fesselbeugen achtet. Das Langhaar wird von einigen wenigen Friesenbesitzern zwecks Schonung geflochten und nur zu Ausritten, Fototerminen oder Shows geöffnet. Kämmen sollte man das Langhaar jedoch nicht allzu viel. Besser ist von Hand verlesen, denn beim Friesen ist jedes lange Haar zu schade, das er durch Kämmen verlieren kann. Einen Fell- und Mähnenspray ist daher sehr nützlich. Zur Fellpflege; Friesenpferde haben ein sehr dichtes Fellkleid. Hin und wieder sollte es gewaschen werden. Friesen haben manchmal ein sehr zwiespältiges Verhältnis zum Wasser. Friesische Weiden sind mit tiefen Wassergräben abgetrennt, deshalb fürchten Friesen manchmal flache Wasserstellen. Haben sie jedoch Wasser lieben gelernt, werden sie zu richtigen Wasserratten.

Das Friesenpferd verfügt über aussergewöhnliche (eifrige) Gelehrigkeit, ist mutig, ruhig und zuverlässig in kitzligen Situationen. Er ist ein Kumpel für "durch dick-und-dünn", anhänglich, besonders seiner Bezugsperson gegenüber und hochsensibel. Nicht alle Menschen verstehen es mit einem Friesen umzugehen. Auch verkraftet er Reiter-/ Besitzerwechsel nicht so einfach.
Idealisten starten mit Friesen sogar erfolgreich in Fahr- und Dressurprüfungen.

Erstaunt sind immer wieder viele Pferdefreunde, wie umgänglich die Friesenhengste - und auch die Deckhengste - sind. Nicht zuletzt seines typischen Aeusseren wegen, ist er als Zirkus- und Hoheschule-Pferd sehr geschätzt. Schon viele Pferdefreunde konnten Friesen in unserem Schweizer National Zirkus Knie in verschiedensten Schaubildern bewundern. Der Showeffekt des anmutigen kohlschwarzen Rappen mit stolzgetragenen gebogenen Hals, wallendem Haar und breiter Brust ist perfekt. Die lange Mähne, der oft bis zum Boden fallende voluminöse Schweif und der üppige Kötenbehang hat zur Bezeichnung der "gefiederten Pferde" - "Schwarze Perlen" beigetragen. Gezüchtet werden die Friesen ausnahmslos in schwarz. Kleine Kopfzeichen, Stichelhaare, Flocke, Stern, oder einige weisse Haare an Ober- oder Unterlippe sind erlaubt (Stammbuchhengste müssen ganz schwarz sein). Beinabzeichen sind nicht erlaubt. Der Friese ist meist von kräftiger Natur, mit einem recht edlen Kopf mit ausdrucksvollen sanften grossen Augen und kleinen Ohren mit zueinander geneigten Ohrspitzen. Er hat eine sehr hohe Aufrichtung, starken kräftigen Hals der fliessend in den Rücken übergeht, flacher breiter Widerrist kommt meist vor, ebenso tonnenförmige Rippen, eine leicht gespaltene gut bemuskelter Kruppe mit starker Hinterhand, die viel Schub bringt und einen tief angesetzten Schweif. Typisch sind die schwungvollen, raumgreifenden Bewegungen und die hohe Knieaktion. Der Liebhaber spricht von "steppenden" Gängen. Der Friese ist beliebt als talentiertes Fahrpferd. Mit seinen steppenden Gängen, seinen gefiederten Beinen, die sich wie Federn heben und senken, ist es eine wahre Pracht ihm zuzuschauen. Besonders effektvoll ist der Friese vor einer friesischen "Sjees" mit Schwarz-weissem Originalgeschirr. Diese Kutsche ist ein Einachser mit riesigen Rädern, einer Gondel als Sitz und meistens weiss. Nur in der Sjees sitzt der Mann links und die Frau rechts. Die Leute tragen dazu ein volkstümliches altfriesisches Trachtengewand (aus ca. 1860). Diese Kutsche ist der Traum manches Friesenfahrers. In Holland gibt es Fahrturniere, genannt Concoursen, wo extra Friesenfahrprüfungen stattfinden. Ein-, Zweispänner oder Tandem - Friesen an der Sjeese (es gibt sogar ein Stammbuch für friesische Sjezen). Der Friese, der sich am besten bewegen kann, hat gewonnen. Das muss man einmal life erlebt haben! 
Im Winter ist der Friese vor dem Arreslede, dem friesischen Schlitten, ein wunderbares Bild
(mehr über den Arreslede unter Button Question).

Fotograf unbekannt

Der Friese wird von Nichtkennern oftmals unterschätzt, denn er kann bei entsprechendem Konditions-Training (!!) auch im Marathon oder sogar im Distanzsport eingesetzt werden. Schon sehr oft hat das Friesenpferd seine Leistung als Vierspann-Pferd bewiesen!

Bei der Wahl eines Friesenpferdes sollte man sich über seine Verwendung im Klaren sein. Man kauft bestimmt kein Jagd- oder Springpferd (obwohl mancher Friese für einen Sprung von 1m zu haben ist), wohl eher ein schönes Kutsch- und Dressurpferd, aber bestimmt immer einen treuen, ehrlichen, anhänglichen und willigen Kameraden.

Zuchtreglement (Fremdlink, Button FPS und Zucht)

Siehe auch unter Button FPS

Friesland in Holland, der Ursprung der Friesenzucht

Die Friesenpopulation hat sich anhand der grossen Nachfrage stark vergrössern können und zählt 2004 rund 40'000 Friesenpferde und 12'000 Mitglieder.
Die Population liegt aber viel höher, da viele Pferde in anderweitigen Zuchtverbänden registriert wurden.
Züchter und Freude, welche dem "Friesendachverband Holland" (um dem mal so zu sagen), sind in der World Friesian Horse Organisation (WFHO) organisiert. Die Schweiz gehört da ebenso dazu.

WFHO-Logo, Friesian Horse Organisation

Hengstauswahl für Körungskandidaten

Die Zuchtauswahl für die Deckhengste sind in keiner Zucht so streng wie bei der Friesischen.

Von ca. knapp 3000 geborenen Hengstfohlen, dürfen rund 200 der FPS geborenen Hengstfohlen (1990 waren es noch unter Hundert, 1996 waren es 123 Hengste) 
an der jährlich im Januar stattfindenden Hengstenkörung in Leeuwarden, Friesland in Holland teilnehmen.

Junge Hengste im Galopp.jpg (20111 Byte)
Die Qualität entscheidet, wer an der 
Hengstkörung teilnehmen darf
Junge Hengste in der Aufzucht.jpg (24061 Byte)
Zweiter von links ist erst 1.5 Jahre alt
und kommt aus Stamm 12
(Sjaard x Ada út de Polder)

Die Anforderungen sind enorm hoch bis ein Junghengst überhaupt zur Hengstkörung in Leeuwarden zugelassen wird. Die geringste Anforderung ist das Stockmass. Das Mindeststockmass für Zuchthengste, welche im Körjahr 3 Jahre alt werden, beträgt 1.58m. Für 4jährige, 1.60m. Wichtig ist eine besonders gute und erfolgreiche Abstammung. Nur ein schönes braves langmähniges Pferd ohne gute Eltern hat hier keine Chance. Man will Leistung sehen. Die Mutterstute stammt aus einem berühmten, fruchtbaren und zuchtfesten Leistungsstutstamm und trägt, so zeigt es in den letzten 30 Zuchtjahren, mindestens das Sterprädikat. Es gibt nur ganz selten Ausnahmepferde, welchen mit einer Stammbuchmutter (Stb) an der HK eine Chance gegeben wird. Das Prädikate wie ster kann eine Zuchtstute mit einer besonders guten Bewertung auf der jährlichen Zuchtschau erlangen. Bei der Grossmutter wird gerne das Preferent-Prädikat gesehen. Sogar eine Spermaprobe wird vom Junghengst verlangt! Dann seit Herbst 2000 gibt es noch eine Zusatzregelung für die Teilnahme der Körung in Leeuwaarden. Die Junghengste müssen eine röntgenologische Untersuchung machen um zu beweisen, dass sie OCD frei sind (Osteochondrose, Hufknorpelverknöcherung. Wer sich für dieses Thema interessiert kann das im Phryso International vom April 1999, Seite 64, nachlesen.
Ebenso müssen die jungen Hengste frei vom Fuchsfaktor sein. Der Fuchsfaktor ist ein altes Relikt aus vergangenen Tagen, als der Friese nicht nur schwarz war. Treffen zwei Pferde mit Fuchsfaktor aufeinander, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, je nach Vererbungsstärke (dominant, nicht-dominant), dass der Nachkomme fuchsfarben wird. Ein entsprechender Zuchtbericht ist im Phryso International April 2000, Seite 24 nachzulesen.


Der lange Weg zur Hengstleistungsprüfung

Von diesen ca. 200 Hengsten schaffen es ungefähr nur einen Achtel in die 3. Besichtigung. Bevor die Junghengste zur Hengstleistungsprüfung (HLP) zugelassen werden, steht ihnen eine Blutgruppen-Untersuchung bevor. Da die Hengste schon auf OCD untersucht wurden, fällt dies weg. Erst wenn sie auch diese bestanden haben, dürfen die Kandidaten zur HLP nach Drachten. 
Nach einem strengen Verfahren werden die Hengste in einem ca. 70-Tage-Test nochmals ausgewertet
.

2004: Einlieferung 2. Februar 2004 und Endexamen 9./10. April 2004:
- Doppelt zählen die Grundgangarten Stap, Draf, Galop / Schritt, Trab, Galopp
- Rijproef, die Reitprüfung (doppelt)
- Menproef, die Fahrprüfung (einfach)
- Sledeproef, die Zugprüfung (einfach)
- Showproef, die Showprüfung, wie sich das Pferd zeigt (einfach)
- Werklust, der Arbeitswille (einfach)
gibt das Totalergebnis.

Über das Pferd wird ein Trainingsrapport zusammengestellt, wie er sich verhalten hat, welches Training hat er bereits absolviert vor der HK, ist er angeritten oder roh, war er brav, wie war er im Stall, Charakter, Temperament oder ob er irgendwo Schwierigkeiten hatte und wie seine Fortschritte waren, sein Lernverhalten etc.

Der zweite Rapport ist der Verrichtungsrapport, wie das Pferd in den Gangarten und bei den verschiedenen Kategorien war, seine Veranlagungen, seinen Körpereinsatz (Kraft in den Hinterbeinen etc.).

Der dritte Rapport ist der Veterinärsrapport, ob es tierärztliche Besonderheiten gab.

All das gibt dann das Ergebnis, ob der Junghengst die Prüfung bestanden hat oder nicht.

HEUTE werden bereits im November die jungen Hengste in Ermelo vorausgesucht, damit nur die Elite für die zweite und dritte Besichtigung im Januar nach Leeuwarden geschickt werden.
Auch werden die Hengste nach Jahrgängen aufgeteilt zwischen Frühlings- und Herbstuntersuch.

Mark232P.jpg (28354 Byte) Preferenthengst Mark 232, er gilt heute als Stempelhengst. 
Er prägte die Friesenzucht in ganz besonderem Masse.

Nur die besten werden bestehen und diese sind gerade gut genug für die Friesenpferdezucht. Weltweit sind im FPS rund 100 Deckhengste im Einsatz und einige Fohlenbuchdeckhengste, welche im Ausland decken dürfen.

Nach bestandenem Examen werden heute ca. 4-12 pro Jahr gutgekört und ins Hengststammbuch als Stammbuchhengste eingetragen. Die gutgekörten Hengste müssen aber spätestens, wenn der älteste Nachkomme das 3. Lebensjahr erreicht hat, zur Nachkommenkörung. In Ausnahmen darf ein Hengst für ein Jahr zurückgestellt werden, dafür erhält er aber eine Deckbeschränkung von 75 Bedeckungen.
Seine Nachzucht wird geprüft (s. auch Literatur Nachkommenprüfung). 
Nur der Vererber darf in der Zucht bleiben, der einen überdurchschnittlichen guten Nachwuchs bringt, der sich positiv auf die Friesenzucht auswirkt.

Ist er das nicht, ist der Entscheid der Körkommission unerbittlich: 
Richterspruch - abgekört!

Nachkommenprüfung

Nachkommenprüfung 1995, von 7 geprüften Hengsten wurden zwei Stammbuchhengste abgekört! 1999 von den 6 zu prüfenden Hengsten wurden nur gerade zwei gutgekört, drei wurden für ein Jahr zurückgestellt und einer wurde abgekört.

Heute wird es immer strenger für die Deckhengste. 
Die dreijährigen Nachkommen werden im ABFP-Test (s. Button Question, was ist ein ABFP-Test) angeschaut. Man legt heute ernorm mehr Wert auf die Rittigkeit, welche noch vor vielen Jahren vernachlässigt wurde.

Fohlenrapport

Wenn ein Jungdeckhengst seinen ersten Fohlenjahrgang präsentiert, wird heute dies ebenfalls ganz genau angeschaut. Wie viel erste und zweite Prämienfohlen brachte dieses Vatertier? Dies wird in einem ganz genauen Rapport festgehalten und veröffentlicht, damit jeder Züchter Einblick hat und sich selbst ein Bild machen kann, ob er weiterhin mit diesem Hengst züchten will oder nicht. Es eine super Change für einen Junghengst, der einen super Rapport erhält mit einer enormen Prozentzahl an gelungenem Nachwuchs (1. und 2. Prämien). So ein Hengst bekommt dann auch entsprechend viel Stuten zugeführt.

Hengste, die die Eintragung ins Stammbuch nicht schaffen, bleiben alle im Fohlenbuch eingetragen.

Hearke_Kopf.jpg (19462 Byte) König Hearke 254 preferent
von Mark 232 preferent

Die Gründerhengste der drei Hauptlinien

Nemo 51 (Geb. 1885), auf ihn gehen alle Friesenhengste des Stammbuches zurück. Heute existieren nur noch 3 Haupthengstlinien, Tetman 205 (1956) (gesplittet in 2 Zweige, Mark 232 pref. und Jarich 226), Age 168 (1942) und Ritske 202 pref. (1955). Heute werden die Hauptstämme sogar noch weiter unterteilt. Man spricht vom Hearke-Trakt (v. Mark 232 pref.), Reitse-Trakt (v. Hearke 254 pref.) oder vom Jochem-Trakt (Mark 232 pref.), da diese Hengste viele gekörte Söhne haben. Es sind "Nachfahren" von Tetman 205. Ein weiterer berühmter Zweig ist der Oege 267-Trakt. Auch dieser Hengst führt über Jarich 266, den Halbbruder von Mark 232 pref. das viel gelobte Tetman-Blut. Aber bitte vergessen Sie die anderen Linien nicht, auch sie haben rares Blut, welches nicht "vergossen" werden sollte.

Fast 5/6 aller Friesenpferde stammen aus der erfolgreichen und leistungsstarken Tetman-Linie.

Inzucht in den Griff bekommen 

Da der Hengststammbaum nur aus drei Haupthengststämme besteht ist die Inzucht in grosses Problem. Anpaarungen müssen sorgfältig überlegt sein, der Inzuchtgrad von 5% sollte nicht überstiegen werden. Die restlichen Hengst-Stämme konnten sich nicht mehr halten und sind nur noch in früheren Generationen in Abstammungsnachweisen zu finden. Der erste eingetragene Friesendeckhengst mit der Hengstnummer 1 ist De Paauw (geb. 1872). Vor Nemo 51 gibt es noch einige gute Vererber, die sich jedoch nur in den Stutstämmen behaupten konnten (z.B. Alva 113 pref.).

Sterstute_mit_Lammertfohlen.jpg (31033 Byte) Sterstute von Tamme. 
Fohlen von Lammert 260

Zuchtschauen, Prämierungen und Prädikatvergaben

Seit 1976 bekommt jedes Fohlen eine Zungentätowierung, eine Lebensnummer (seit 1989 verschlüsselt), damit Verwechslungen ausgeschlossen werden können. Die Technik hat auch von der Friesenzucht keinen Halt gemacht. Seit jüngstem werden die Fohlen gechipt, d.h. sie kriegen einen Mikrochip in den Hals implantiert. Das an einer Körung gezeigte Pferd wird dann mit dem Scanner kontrolliert und mit seinen Papieren verglichen.

Gestern Tätowierungen - heute Chip

Denn alle Friesen sind schwarz! Diesen Chip bekommt jedes Fohlen am Tag der Körung nach der Prämierung. Sehr selten wird eine orangene Schleife, die 1. Prämie vergeben. Sie bedeutet ausgezeichnet. Sehr gute Fohlen bekommen eine 2. Prämie, die rote Schleife und die weisse Schleife bekommen 3. prämierte Fohlen, dies ist meistens der Fall. Wenn bei Fohlen Fehler, wie z.B. starker Gebäudemangel oder Weiss an den Beinen, festgestellt werden, bekommt es keine Prämie.

Mit den friesischen Namen hat es folgendes auf sich. Für das Jahr, in dem die Fohlen geboren werden, werden Anfangsbuchstaben für die Namen vergeben. Ein Friesenfohlen, das mit Anfangsbuchstaben W, X, Y oder Z beginnt, ist 1999 geboren. Ein älterer Friese, der mit dem Buchstaben K oder L beginnt, wurde 1986 geboren.
Früher wurden nur 2 Buchstaben vergeben heute sogar 3-4. So kann man immer nachvollziehen, wann das Friesenpferd geboren wurde. Wenn das ABC durch ist, beginnt man wieder von vorne.

Auf Körungen werden Jungstuten, die Einjährigen (Enter) und Zweijährigen (Twenters) werden seltener gezeigt, da die jungen Pferde sich im starken Wachstum befinden. Sie können ebenfalls Prämien erhalten.

Sterstute.jpg (19839 Byte) Peke-Sterstute in voller Aktion


Stutbuch- und Stereintragungen

Die Stuten können erst, wenn sie 3 Jahre alt sind, ins "Merrie" (Stut)-Stammbuch aufgenommen werden. Erste Stufe zur Zuchtstute ist die Stammbucheintragung
Wenn die Stute am Zuchttag vor den scharfen Richteraugen diese Mindestanforderungen von Exterieur und Mindeststockmass von 150cm besteht, erhält sie den Stb-Eintrag, den Stammbuch-Eintrag im Stammbuch-Register im FPS.

Keinen Heissbrand mehr seit 1. September 2001

Früher wurden die Pferde noch in die linke Halsseite gebrand, seit 1. September 2001 wird aus Tierschutzgründen darauf verzichtet.

Ist die Stute von besserer Qualität (Mindeststockmass 155cm), darf sie bei einer entsprechenden guten Benotung die Ster-Eintragung in Empfang nehmen. Eine Sterstute ist der Traum vieler Züchter.

Früher war also eine Stammbuchstute von einer Ster von Auge gut zu erkennen, heute steht das nur noch auf dem Papier, resp. im Register, wo das Pferd eingetragen ist.

Leistungsprüfungen auch für Stuten

Gut, dass heutzutage auch die Stuten einer Leistungsprüfung unterzogen werden können. Dies ist sicherlich ein Gewinn für die Zucht. Der eine Test heisst IBOP und wird nur jeweils ende Jahr durchgeführt (Stutentest Dauer 2 Tage, Drachten und Esbeek).

Die zweite Prüfung, welche in den letzten Jahren viel Bedeutung bekommen hat ist der ABFP-Test, die Anlage- und Brauchbarkeitsprüfung für Friesenpferde (für Hengste, Wallache und Stuten von 3-5 Jahren, im FPC in Drachten). Diese finden das ganze Jahr hindurch statt und dauern 5 Wochen. Alle Prüfungsresultate werden publik gemacht, jeder Züchter kann sich über jedes getestete Pferd informieren - das zeigt wieder wie transparent unsere Friesenzucht geworden ist.

RA.jpg (33746 Byte) Reinou 6568 Model/Preferent mit Jurjentochter Ada út de Polder, 1992. Das Fohlen ist heute eine erfolgreiche Zuchtstute und natürlich mit Sterprädikat

Modelstuten - das Stutenhöchstprädikat

Aber das absolut Höchste, was nur wirklich sehr sehr wenige Stuten erreichen, ist das Prädikat Model (Mindeststockmass 158cm). Von der Bewegung und dem Exterieur ist sie die "Crème de la Crème" und verkörpert die ideale Friesenstute. Zuerst erhält die Stute an einer regionalen Show das vorläufig Model. Sie muss dann innert eines Jahres die Stutleistungsprüfung (IBOP) bestehen und muss dann an der Zentralen Stutenkörung, welche jeweils im Oktober in Leeuwaarden in Friesland stattfindet, unter der kritischen Jury zeigen müssen, dass sie ein Model wert ist. Erst dann ist die Stute "Model". Ihr Brandzeichen ist ein M. "Siebenjährig und ältere Stuten zur Modelerklärung" so hiess 1999 in Leeuwaarden die begehrte Kategorie.

Aber Zuchtstute ist nicht gleich Zuchtstute. Sie muss das erst mit einer guten Nachzucht beweisen. Solche Stuten können die Qualitätsauszeichnung "preferent" und eine Krone als Brand erhalten. Das Preferent-Prädikat wird durch 4 Qualitäts-Nachkommen erreicht, die das "Ster" (Stern) -Prädikat erhalten haben. Oder gleichwertig ist pro Ster, ein Hengstnachkomme, der mindestens in die zweite Besichtigung der Hengstkörung in Leeuwarden gekommen ist. Das Preferent wird nur sehr selten an Zuchthengste vergeben und ist dann Ermessenssache des F.P.S.

Eine absolute Steigerungsform von Model + Preferent ist noch der Zusatz "Prestatie". Dies haben bis jetzt nur eine Hand voll Stuten geschafft.
Prestatie bedeutet Leistungsstute, das bekommt eine Zuchtstute, wenn mehrere ihrer Kinder erfolgreich im Sport laufen und Punkte machen.

Erreicht eine Stute keine Stammbucheintragung, bleibt sie ihr Leben lang im Fohlenbuch eingetragen. Mit solchen Stuten sollte nicht gezüchtet werden.

K(l)eine Abzeichen erlaubt?

Immer wieder werden Fohlen Abzeichen am Kopf und/oder mit Beinabzeichen, weissem Sohlen, Kronrand oder noch schlimmer weissen Hinterfesseln und sogar weissen Hufen geboren. Das ist ein Bleibsel aus der Vorzeit, denn die Friesen waren nicht immer schwarz. Die letzte braune Stute wurde 1928 ins Stammbuch eingetragen. Noch immer kämpft die Zucht gegen den Fuchsfaktor. Es werden keine Hengste mehr zur Zucht zugelassen, welche den Fuchsfaktor in sich führen (wird mit einem Bluttest ausgewertet).

Weiss ist unerwünscht und wird nur noch bei Stuten als kleines Kopfabzeichen erlaubt. Fohlen mit Beinabzeichen können keine Eintragung bekommen. Tragisch ist dies für gute Stutfohlen, die niemals ins Stammbuch der Stuten aufgenommen werden können.

Bei den Stammbuchhengsten wird die Vererbung des Weissfaktors prozentual jährlich schriftlich festgehalten und ist für jeden Züchter einsehbar.

Auch das Friesenschwarz wird in 3 Farbtönen unterschieden; der Glanzrappe, der Mattschwarze und der Sommerrappe, dies jedoch nirgends schriftlich.

Gebäudefehler sieht man selten beim Friesenpferd. Es ist eine gut-durchzüchtete Pferderasse. Auch Kopper, Weber, Beisser, Schläger oder Steiger sind kaum zu finden.

Beibuch (auf diese Zucht sollte verzichtet werden)

Neu ist der Eintrag seit '93 in das Beibuch I + II (ebenfalls Reinzucht): Beibuch I: Sind Nachkommen von FPS-anerkannten Fohlenbuchhengsten mit 100% Friesenstute. Beibuch II, Nachkommen von nicht-FPS-anerkannten Fohlenbuchhengsten mit 100% Friesenstute. Ist die Stute nicht reingezüchtet so bekommt ihr Fohlen kein Papier. Züchter sollten darauf achten, dass ihre Stute eine gute Abstammung hat. Sie selber oder zumindest die Mutter der Stute sollte das Prädikat "Ster" tragen oder besser. Möglichst viel preferent-Blut ist von Vorteil. Ansonsten ist die Qualität des Fohlens nicht gewährleistet (niemals vergessen, die Stute bringt 50% mit). Mit Stuten, die im Fohlenbuch eingetragen geblieben sind und mit nicht-F.P.S.-anerkannten Fohlenbuchhengsten sollte nicht gezüchtet werden. Grundsätzlich sollte man mit anerkannten Stammbuchhengsten züchten, will man eine gute Zucht befürworten. 

Teus.jpg (35001 Byte) Wallach "Teus" , leider ohne Papiere, hätte einen ersten Preis bekommen, wenn er Papiere hätte (Richterurteil)
Körung Bern 2000

im Besitze von 
Frau Angie Fink, Märstetten

Wallach

Das Friesch-Paarden-Stamboek führt seit 1973 ein "Ruinenstamboek", das Wallachstammbuch. Das Mindeststockmass ist gleich wie bei den Stuten. Der Wallach bekommt ein R in den Abstammungsnachweis und eine Nummer. Die besten Wallache können ebenfalls das Ster-Prädikat erhalten und eine Prämierung bekommen. Erstaunlich sind die Stockmasse, die Wallache manchmal erreichen können. Man findet Grössen bis über 1.70m!

Wenn Sie das nächstemal einen Friesenreiter sehen, gehen sie ruhig auf ihn zu. Bestimmt gibt er ihnen gerne Auskunft über seine Lieblingspferderasse.

Wer mehr über die Friesenpferde wissen möchte, dem möchte ich das "Friesen-Journal"-Heft, welches vierteljährlich erscheint sehr ans Herzlegen. Ebenso die im Literatur-Verzeichnis empfohlenen Friesenlektüren.

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